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Gymnasium für alle!

Zeit sich von der Hauptschule zu verabschieden und endlich eine Gesamtschule als “Gymnasium für alle” einzuführen.

„Sie finden: Kinder, alle Kinder, sollen mindestens bis zum Alter von 14 eine Chancen-Gerechtigkeit haben, die Möglichkeit, zu zeigen, was in ihnen steckt, unabhängig von ihrer Herkunft. Und sie wollen eine Mittelschul-Reform, die dazu führt, dass die Schule das, was in den Kindern steckt, auch herauszuholen und zu fördern in der Lage ist. Da hin – und dafür gibt es einen zusehends breiteren Konsens – müssen wir: Damit wir nicht später vor den sozialen Trümmerhaufen einer Katastrophe stehen, die wir hätten verhindern können.“ (Doris Knecht, Kurier, 14. Juni 2010)

Das österreichische Schulsystem selektiert im Alter von zehn Jahren: Je nach sozialen Background (soziale Situation, Einkommen, Bildungsgrad der Eltern, Region, etc..) werden die Kinder mit zehn entweder zu HauptschülerInnen oder den GymnasiastInnen gemacht: Erstere werden dann später die Lehrlinge und HaklerInnen, die anderen gehen mit Matura an die Uni und werden leitende Angestellte, ProfessorInnen, usw. Natürlich ist das nicht immer so, aber noch meistens. In den höheren Schultypen sitzen nur rund 30 Prozent Kinder, deren Eltern nur über eher geringe bis mittlere Bildung verfügen, dafür rund 70 Prozent Kinder mit gut ausgebildeten Eltern. Um eine höhere Schule zu besuchen, müssen sozial schwache Kinder also viel besser sein als reiche Kinder (Empirisch belegt z.B. PISA 2003). Bildung in Österreich befreit nich aus den sozialen Verhältnissen, sondern zementiert diese ein.

Dass durch die Selektion und das Ausweisen in die Hauptschule so viele Potentiale verloren gehen, geht auch den Wirtschaftstreibenden auf den Wecker, die jetzt ihren Wunsch nach einer Gesamtschule wieder artikulieren. “Wir können nicht bis zu St. Nimmerleinstag warten” (Veit Sorger, Juni 2010). Sie haben zwar kein Interesse an mehr Gleichheit in der Gesellschaft, dafür umso mehr an Leistung und Kapital. Anders: Sie halten das Konzept der Gesamtschule für ökonomisch derart vernünftig, dass sie dafür auch mehr Gleichheit in der Gesellschaft in Kauf nehmen. Das Buch “Gleichheit ist Glück” zeigt zum Beispiel, je ungleicher eine Gesellschaft ist, desto niedriger ist auch das allgemeine Bildungsniveau, sprich desto dümmer ist die Gesellschaft. Bleibt zu hoffen, dass sich die ÖVP endlich von ihrer geliebten Hauptschule als “Restschule” verabschiedet und das Gymnasium für jene öffnet, die nicht ihrem Klientel entsprechen. Der St. Nimmerleinstag ist längst gekommen.

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Morgen.rot

Statt “Geht denn das?” nach dem “Wie geht denn das?” fragen

Morgen.rot nennt sich die Erneuerungs-Initiative der SPÖ OÖ, innerhalb dessen Stärken und Schwächen der Sozialdemokratie diskutiert und analysiert werden. Der Reformprozess, der nach der schweren Niederlage bei den Landtagswahlen im Herbst 2009 ins Leben gerufen wurde (zur Erinnerung -13, 5 Prozent), dauert zwei Jahre und hat das Ziel, auf einer breiten Basis konkrete und fundierte Konzepte für eine starke – oberösterreichische – Sozialdemokratie zu entwickeln und umzusetzen. “Wie sozialdemokratische Politik im 21. Jahrhundert gestalten und organisieren?” ist die übergeordnete Frage, der sich die Initiative Morgen.rot anhand von verschiedenen inhaltlichen Schwerpunktsetzungen widmet. Versucht wird, durch das Hinterfragen von Altbekannten mögliche Antworten auf Fragen wie “Was sind Aufgaben und Visionen einer Sozialdemokratie des 21. Jahrhunderts?”, “Wie ist unsere Organisation aufgebaut und strukturiert”, “Wie ist die Kultur innerhalb der Sozialdemokratie?”, “Was macht Engagement in der Partei eigentlich aus?”, “Wie kann eine Partei der Mitmachdemokratie aussehen?”,”Wer kann wie mitmachen?” und “Was soll ein sozialdemokratisches Programm enthalten?” zu finden.

Gespräche über die Sozialdemokratie

Ab Herbst beginnt mit (öffentlichen) Veranstaltungen und konkreten Konzepten die Umsetzungsphase von Morgen.rot. Bis dahin heißt es, einen kritischen Blick nach innen zu werfen: Das passiert in den moderierten Ortsgruppen- und Sektionsabenden. An die 2.000 SozialdemokratInnen haben seit Herbst bei einer der 150 Feedback-Runden Kritik und Ideen für die neue SPÖ OÖ geäußert, mehr als 10.000 Mitglieder haben sich an der Mitgliederbefragung beteiligt. Auf Basis der Ergebnisse aus den Abenden und der Befragungen werden ab Juni 2010 Maßnahmen entwickelt. Eine Möglichkeit zum Mitdiskutieren bot sich zum Beispiel am 6. Mai 2010 bei dem von SJ Linz, der Linzpartei und Morgen.rot organisierten “Future Talk” mit Barbara Blaha (ehem. ÖH Vorsitzende und Leiterin des Kongresses Momentum) und Josef Broukal (Herausgeber des Buches “Nachrichten vom Ableben der SPÖ sind stark übertrieben“) im Linzer Cafe Central (siehe Bild).

Was kommt: Morgenrot-Kongress “Das Morgen fängt heute an”

Unter dem schönen Motto “Das Morgen beginnt heute” steht der Morgenrot-Kongress, die erste Großveranstaltung, die sich explizit der Partei-Erneuerung widmet. Der Kongress findet am 18. und 19. Juni 2010 im Aktivpark St. Georgen an der Gusen statt und hat das Ziel, auf breiter Basis Aufgaben und Visionen für die SPÖ im 21. Jahrhundert zu formulieren. Das Programm umfasst neben einer Diskussion mit Albrecht Müller (leitete Wahlkämpfe fü̈r Willy Brandt, Autor mehrerer Bücher wie zum Beispiel “Meinungsmache” und Betreiber der www.nachdenkseiten.de) und Elisabeth Wehling, die gemeinsam mit George Lakoff das sehr empfehlenswerte Buch „Auf leisen Sohlen ins Gehirn – Politische Sprache und ihre heimliche Macht“ veröffentlicht hat, ein reichhaltiges Workshop-Programm (u.a. “Angst vor dem Stammtisch? Welche Argumente braucht’s um am Stammtisch zu punkten?”, “Selbsthilfe statt Freunderlwirtschaft? Wie funktioniert „Community Organizing“ und was kann die SPÖ davon lernen?”, “Gemeinden als Integrationsmotor? Erste Schritte für eine kommunale Integrationspolitik”, uvm.). Teilnehmen können alle Interessierten (Link: hier).

Veränderung ist möglich

Ob Morgen.rot etwas bringt, wird sich erst zeigen. Einstweilen ist die Initiative noch zu jung, um sie hoch zu loben oder für tod zu erklären. Den derzeitig eingeschlagenen Weg, nämlich mit möglichst vielen (auch Nicht-SozialdemokratInnen) zu sprechen und es auch zu wagen, Fragen der Parteiorganisation und -struktur zu stellen, hat aber mit Sicherheit mehr Potential als halbherzig durchgeführte und personell standardmässig besetzte Arbeitsgruppen, die mehr dem Selbstzweck dienen als einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Parteiorganisation. Die Sozialdemokratie ist eine von Menschen geformte Organisation und nicht zuletzt deshalb auch durch Menschen veränderbar. Sie ist nicht statisch, ihre Dynamik zeigt sie jeden Tag, wenn zum Beispiel eine neue Aktionsform ausprobiert wird, in einer Diskussion ein noch nicht dagewesenes Argument auftaucht, zum ersten Mal ein Fußballturnier organisiert wird, zum Sektionsabend plötzlich neue Interessierte dazustoßen, usw. Veränderung ist möglich. Man muss sie nur wollen und auch zulassen.

Mitmachen

Hilf mit, Morgen.rot besser zu machen. Wer Anregungen, Kritik, Ideen oder Vorschläge hat oder am besten gleich bei Morgen.rot mitarbeiten will, kann sich hier melden. Mehr Informationen zu Morgen.rot finden sich auf der Homepage der SPÖ OÖ.

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Johanna Dohnal – Eine ganz Große

Johanna Dohnal im September 2005 im Linzer SJ BüroIch hatte das Glück, Johanna Dohnal persönlich kennen zu lernen. Das erste Mal traf ich sie vor fünf Jahren – wir luden sie im September 2005 ins SJ Linz Büro (siehe Bild nebenan) ein, um unter dem Titel “Women make politics, not coffee” über Frauenpolitik zu diskutieren. Der Raum war pump voll, als sie zu Sprechen begann wurde es ganz ruhig (keine Selbstverständlichkeit bei SJ Meetings). Alle lauschten der großartigen Johanna Dohnal und das über zwei Stunden lang. Amina und ich moderierten – so schnell wie wir unsere vorbereiteten Fragen nicht mehr brauchten, konnten wir gar nicht schauen. Johanna Dohnal  hatte viel zu erzählen. Sie sprach davon, wie sie in die Partei gekommen ist, dass es nicht sehr lange dauerte bis sie auf Widerstand gestoßen ist und wie sehr sie trotzdem oder vielleicht gerade deshalb nicht aufgab. Wir waren beeindruckt von ihrer Analysefähigkeit, ihrem sprachlichen Ausdruck, ihren klaren Positionen und ihrer Coolness. Nach der Diskussion blieb sie noch eine Zeit, um mit uns zu plaudern. Es dürfte ihr gefallen haben. Für mich war der Abend mit Johanna Dohnal einer der spannendsten, die ich in meiner SJ-Zeit erleben durfte.

Dass es keine Johanna Dohnal mehr gibt, ist wirklich schade. Sie leistete ihr ganzes Leben hindurch großartige Arbeit. Ich hoffe, dass ihr in der Geschichte ein Platz einberäumt wird, der ihr gebührt: Ein ganz großer und besonderer in der ersten Reihe.

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„Momentum10: Solidarität“ – Ein Kongress zur Verbindung von Wissenschaft und Politik

Zum dritten Mal findet heuer vom 21. – 24. Oktober 2010 der Kongress „Momentum“ statt. Nach Gerechtigkeit und Freiheit bildet dieses Jahr Solidarität den Oberbegriff, zu dem im oberösterreichischen Hallstatt nachgedacht und diskutiert wird. Ziel des jährlichen Kongresses ist, Wissenschaft und Politik miteinander zu verbinden. Wie auch Momentum im Englischen als Bezeichnung für „Impuls“ oder „Schwung“ steht, versteht sich der Kongress als „Impuls“ für Konzepte, die dem sozialen Fortschritt dienen.

Mission Statement

Neoliberale Denkmuster bestimmen in Politik und Wissenschaft seit Jahren die Debatte. Auch nach der Finanzkrise und dem fundamentalen Scheitern des Neoliberalismus, scheint alles beim Alten zu bleiben. Woran liegt das? Zu einem Gutteil besteht das Geheimnis des marktradikalen Erfolgs nicht in der Tauglichkeit der angebotenen Konzepte, sondern in der scheinbaren Ratlosigkeit und Schwäche ihrer GegnerInnen. Um dem entgegenzuwirken und einen aktiven Beitrag zur Entwicklung progressiver Alternativkonzepte zur herrschenden Praxis zu leisten, wurde im Herbst 2007 die Idee von „Momentum“ geboren. Mittlerweile findet Momentum zum dritten Mal statt und versammelt über 200 Interessierte aus Politik, Gewerkschaften, Wissenschaft und Wirtschaft zur kritischen und offenen Auseinandersetzung. Als wissenschaftlicher Leiter des Kongresses fungiert Volkshilfe-Präsident Univ.-Prof. Josef Weidenholzer, politische Leiterin des Kongresses ist die ehemalige ÖH-Vorsitzende Barbara Blaha.

Solidarität und Gesellschaft

In den insgesamt neun Tracks wird die Frage nach den Vorraussetzungen für eine solidarische Gesellschaft gestellt. Netzwerk I „Solidarische Wirtschaftspolitik“ beschäftigt sich damit, wie eine gerechte Verteilung lokal und global erreicht werden kann, Netzwerk II „Wie Solidarität organisieren“ setzt sich mit Organisationen in Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft auseinander und Netzwerk III „Solidarität und Gesellschaft“ behandelt schließlich die Frage, was Solidarität ist und wie sich Solidarität in der Gesellschaft darstellt. Geleitet und moderiert werden die Tracks von WissenschafterInnen aus dem deutschsprachigen Raum. Unter den diesjährigen TrackleiterInnen finden sich unter anderem Markus Marterbauer (Wifo), Helene Schuberth (ÖNB), Alex Demirovic (Sozialwissenschafter, Basel, Berlin), Ulrich Brand (Politikwissenschafter Wien), Gudrun Biffl (Wifo), Renate Schnee (Bassena, Schöpfwerk Wien), uvm. Ein spannendes Rahmenprogramm – bestehend aus Podiumsdiskussion, Lesung und Kongress-Party – sorgen für abwechslungsreiche Kongressabende.

Mitdiskutieren?

Die Einladung richtet sich an alle Interessierten aus Theorie und Praxis – an Studierende und junge WissenschafterInnen ebenso wie an politisch Aktive, SozialarbeiterInnen oder interessierte Öffentlichkeit. Das Prinzip der Veranstaltung: „Im Vordergrund steht das beste Argument, nicht Titel oder wissenschaftlicher Background. Gehört wird, wer etwas zu sagen hat.“ Welche Positionen und Konzepte konkret in den Tracks diskutiert werden, bestimmen die TeilnehmerInnen mit ihren Beiträgen (die Einreichung eines kurzen Abstracts – ca. zwei Seiten – bei der Anmeldung sowie eines ausformulierten Beitrages ca. einen Monat vor der Veranstaltung ist Teilnahmebedingung). Wie ein Paper aussehen kann, ist im Archiv auf der Kongress-Homepage unter www.momentum-kongress.org nachzulesen, wo Abstracts, fertige Beiträge und Foliensätze als Download vom vergangenen „Momentum08: Gerechtigkeit“ und „Momentum09: Freiheit“ verfügbar sind. Anmeldungen für die einzelnen Tracks sind mit schriftlichem Abstract bis 30. April 2010 an anmeldung@momentum-kongress.org zu richten. Die TeilnehmerInnengebühr beträgt je nach Unterbringung und Tarif zwischen 40 und 160 € für den gesamten Kongress (Unterbringung und Verpflegung). Eine kostenfreie Teilnahme ist unter gewissen Vorraussetzungen auf Anfrage möglich.

Link: www.momentum-kongress.org
Download: Folder zu Momentum10

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