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	<title>Jakob Huber&#039;s Blog &#187; Uni</title>
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		<title>Sanfte Lenkung oder Fairness? Bessere Unis!</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Nov 2009 12:08:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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		<category><![CDATA[Sozialdemokratie]]></category>
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		<description><![CDATA[Niki Kowall stellt in seinem Blogbeitrag 5 Überlegungen an, was aus sozialdemokratischer und realpolitischer Sicht mit den Forderungen der AudimaxistInnen anzufangen wäre. Für einige Punkte muss er (ebenfalls auf dem Blog der Sektion Acht) Kritik von Sophie Wollner, der VSSTÖ-Bundesvorsitzenden einstecken. Ich kann beiden Seiten über weite Strecken zustimmen und finde dennoch, dass sie entscheidende [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--  -->Niki Kowall stellt in seinem <a href="http://blog.sektionacht.at/2009/11/fur-eine-sanfte-lenkung-an-der-uni/">Blogbeitrag</a> 5 Überlegungen an, was aus sozialdemokratischer und realpolitischer Sicht mit den <a href="http://unsereuni.at/wiki/index.php/Forderungen_AG">Forderungen</a> der AudimaxistInnen anzufangen wäre. Für einige Punkte muss er (ebenfalls auf dem Blog der Sektion Acht) <a href="http://blog.sektionacht.at/2009/11/fairness-statt-%e2%80%9esanftheit%e2%80%9c/">Kritik</a> von Sophie Wollner, der <a href="http://www.vsstoe.at/">VSSTÖ</a>-Bundesvorsitzenden einstecken. Ich kann beiden Seiten über weite Strecken zustimmen und finde dennoch, dass sie entscheidende Punkte übersehen.</p>
<p><span id="more-816"></span></p>
<h2>Äpfel und Birnen?</h2>
<p>Niki kritisiert Faymanns Prioritätensetzung &#8211; Studiengebühren kategorisch ausschließen, Zugangsbeschränkungen nicht. Sophie erinnert das an Pest und Cholera und lehnt den Vergleich ab. Das ist einerseits berechtigt: Studiengebühren dienen (im besten Fall) der Finanzierung der Universitäten, als Steuerungsinstrument sind sie praktisch untauglich und unwirksam. Zugangsbeschränkungen lindern nur insofern die Finanznot, als das von der Uni zu erbringende Leistungsniveau gesenkt wird und können je nach Ausgestaltung ein mehr oder weniger praktisches Steuerungsinstrument sein. Insofern vergleicht Niki Äpfel und Birnen. Nun geht es Niki aber um die vielzitierte „Realpolitik&#8221;, und da hat er recht: Diese beiden Vorschläge dominieren leider den politischen Diskurs, und reale Politik bedeutet immer Prioritäten setzen und das heißt oft Äpfel mit Birnen zu vergleichen. (Das wäre auch in einer SPÖ-Alleinregierung so). Vor die hypothetische Wahl gestellt, zwischen 350 Euro Studiengebühren oder Zugangsbeschränkungen zu wählen &#8211; ich würde wie Niki auf jeden Fall die Studiengebühren als geringeres Übel wählen. Sophie drückt sich vor diesem Gedankenexperiment, als Studierendenvertreterin ihr gutes Recht.</p>
<h2>Sanfte Lenkung vs. Fairness</h2>
<p>Der zweite spannende Punkt betrifft die „sanfte Lenkung&#8221;, die Niki vorschlagt: Man könnte <em>„versuchen die Attraktivität der weniger beliebten aber gesellschaftlich stärker gewollten Fächer zu erhöhen und jene der sehr populären Studienrichtungen zurückzudrängen.&#8221;</em> Er plädiert für eine anspruchsvolle Studieneingangsphase in überlaufenen Fächern und eine „Knock-out&#8221; Prüfung an deren Ende: <em>„Wer es wirklich will, wird durch keine Platzbeschränkungen behindert.&#8221;</em> Dafür sollen weniger überlaufene Fächer mit leichteren Eingangsphasen und eigenen Stipendien attraktiviert werden. Für die Massenfächer hätte das auch den Vorteil, dass das Niveau angehoben wird. Sophie kritisiert an diesem Ansatz eigentlich alles: Die Einteilung in gesellschaftlich mehr oder weniger wünschenswerte Fächer, der Glaube an die effektive Steuerungsmöglichkeit von Unis und vor allem der Denkfehler, dass Knock-Out Prüfungen von allen geschafft werden können.</p>
<p>Beim letzten Punkt stimme ich Sophie zu: So lange es zu wenige Studienplätze gibt, müssen Knock-Out-Prüfungen Leute am Studienfortschritt hindern, sonst wären es keine Knock-Out-Prüfungen. Das kann dann auch Leute treffen, die sich wirklich „angestrebert&#8221; haben. Und dass es dabei auch zu Benachteiligungen ohnehin sozial schwächer gestellter Personengruppen kommt, damit hat Sophie ebenfalls Recht.</p>
<p><a>Die anderen beiden Kritikpunkte teile ich nicht: Ja, die Gesellschaft hat ein unterschiedlich starkes Interesse an verschiedenen Studienrichtungen. Die Anti-InterventionistInnen könnten argumentieren, das regelt sich von selbst über Signale und Anreize &#8211; gibt&#8217;s zu wenige TechnikerInnen, werden ihre Löhne explodieren und mehr junge Menschen zum Technik-Studium motivieren. Das funktioniert aus mehreren Gründen nicht: Erstens entscheiden sich viele Menschen nach Interesse und Selbstverwirklichung und nicht nach Arbeitsmarktaussichten &#8211; ich bin einer davon und erkenne daran nichts Verwerfliches. Zweitens gibt&#8217;s den „Schweinezyklus&#8221;: Während der Kreiskyschen Schuloffensive (z.B. keine AHS weiter als 20 km entfernt) herrschte ein Mangel an LehrerInnen, also wurden viele ausgebildet und angestellt. Ergebnis: Die letzten 25-30 Jahre war es schwierig, als JunglehrerIn eine Anstellung zu finden, also begannen auch weniger diese Ausbildung. Fazit: Die Lehrkörper an den Schulen sind vollkommen überaltert und wenn in 5 bis 10 Jahren die Kreisky-Generation in Pension geht, wird es einen massiven LehrerInnenmangel geben. Das Beispiel zeigt, dass a) individuelle Ausbildungsentscheidungen ohne Blick fürs Ganze (=&#8221;Marktlösung&#8221;) in Summe problematisch sein können und b) die Gesellschaft ein berechtigtes Interesse an den Ausbildungsentscheidungen einer Generation hat. Wie Niki in seiner Antwort auf Sophies Kritik richtig schreibt, darf die Gesellschaft kein Individuum zwingen, aber Versuche zur Steuerung auf der Makroebene („Anreize&#8221; alleine greift zu kurz) sehr wohl unternehmen.</a></p>
<h2>One-size-fits-all?</h2>
<p>Es geht also darum, wie die Gesellschaft ihre berechtigten Anliegen zur Steuerung der Ausbildungsentscheidungen zur Geltung bringt &#8211; und das ist natürlich ein Trade-off mit den individuellen Wünschen, die wie Sophie richtig anmerkt, ebenfalls gesellschaftlich geprägt sind. Ich glaube, hier kommt man mit einer „one-size-fits-all&#8221; Lösung nicht weit. Es ist offensichtlich, dass nicht alle, die wollen, am Reinhardt-Seminar oder dem Bruckner-Konservatorium ausgebildet werden können. Es ist auch nachvollziehbar, dass nicht auf Dauer mehr Menschen eine Ausbildung zur Ärztin machen können, als es Lehrplätze in Krankenhäusern gibt (ich zumindest will nie von jemandem behandelt werden, der/die nur in Hörsälen und Seminarräumen ausgebildet wurde). In einzelnen Studienrichtungen gibt es objektive quantitative Beschränkungen, weil sonst die Qualität der Ausbildung massiv darunter leiden würde. Hier gilt es Wege zu finden, eine Auswahl aus den InteressentInnen zu finden <em>und</em> das Angebot zu verbreitern. Ich verstehe wenig von Medizin, aber ein universitäres Medizintechnik-Studium oder Gesundheitsvorsorge-Studium wäre gesellschaftlich sinnvoll und kann eine attraktives individuelles Angebot für jene sein, die eben nicht in die Auswahl für die ÄrztInnen-Ausbildung gekommen sind.</p>
<h2>Qualität vs. Quantität?</h2>
<p>Die Ausweitung des Angebots führt zum ersten Punkt, den ich sowohl bei Niki als auch bei Sophie vermisse: Der Kern des Problems ist doch, dass die Qualität der (Aus-)Bildung mit der Quantität der Studierenden abnimmt. Genauer gesagt, wie sehr die Qualität abnimmt, ist &#8211; mit den obigen Ausnahmen wie etwa Medizin oder Kunst &#8211; eine Organisationsfrage.</p>
<p>Wenn man sich darauf einigt, dass Massenunis gesellschaftlich einfach notwendig sind, weil es der soziale, technische und wirtschaftliche Entwicklungsstand unserer Gesellschaft einfach erfordert, muss man die Frage stellen: Wie organisieren wir unsere Massen-Unis und wie nutzen wir die knappen Ressourcen bestmöglich? Und hier können die Unis wirklich von „der Wirtschaft&#8221; lernen. Ein Gutteil des gigantischen Produktivitätssprungs der letzten 150 Jahre ist durch ein Muster zu erklären: Wo möglich wurden einfachere Routinetätigkeiten mittels technischen Fortschritt durch schwierigere (Nicht-)Routinetätigkeiten ersetzt. Vorlesungen sind für ProfessorInnen in der Regel Routinearbeit.</p>
<h2>Beispiel 1: Internet-Intelligenz</h2>
<p>Wenn nur ein Bruchteil der Intelligenz der AudimaxistInnen im Umgang mit dem Internet für die Lehre verwendet würde, wäre schon sehr viel erreicht. Wenn über den Audimax-Stream tausende das Geschehen verfolgen, muss es auch möglich sein Massenvorlesungen über Internet zu halten. Dann ist es auch (fast) egal, ob 300 oder 3.000 Studierende eine Psychologie-1-Vorlesung „besuchen&#8221;. Auf jeden Fall würde man sich wertvolle Ressourcen für Kleingruppen sparen. Dass das in bestimmten Studienrichtungen sogar mit einem Komfortgewinn für die Studierenden verbunden ist, lässt sich am Beispiel der Linzer Rechtswissenschaften beobachten: Der „Medienkoffer&#8221; enthält alle notwendigen Unterlagen für das Selbststudium inklusive Vorlesungs-DVDs. Sein einziger Nachteil ist, dass die Inhalte nicht als „Open Courseware&#8221; frei im Internet verfügbar sind (zu Open Courseware siehe z.B. <a href="http://www.freienetze.at/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=9&amp;Itemid=29">Beitrag</a> von Barbara Hofmann und Rebecca Kampl in <a href="http://freienetze.at">&#8220;Freie Netze. Freies Wissen.&#8221;</a>).</p>
<p>Freilich läuft auch E-Learning nicht ohne Lehrende und ohne Betreuung. Aber in Kombination mit bedeutend mehr TutorInnen bzw. StudienassistentInnen kann die Qualität bei gleichem Andrang (nur) steigen. Dafür braucht es Geld &#8211; das die Unis ironischerweise für die IT-Ausstattung (Kamera, Mikro, Server, Software) haben, aber nicht für die „(wo)manpower&#8221; um das Internet effektiv zu nutzen. Leider gilt hier wie bei anderen technischen Erneuerungen, dass man zuerst finanziell draufzahlen muss bevor es sich auszahlt.</p>
<p>Für die sozial- und geisteswissenschaftlichen Massenstudien, bei denen es keine externen Beschränkungen wie Krankenhauslehrplätze gibt, ließe sich mittelfristig die Qualität so viel eher steigern als durch eine Reduktion der Studierendenzahlen um ein Drittel. Und es erhöht die Wahlmöglichkeiten für Studierende, insbesondere für berufstätige KollegInnen.</p>
<h2>Beispiel 2: Vokabel-WerferInnen und Amerikanisierung</h2>
<p>Ein weiterer Aspekt, der mir für Qualität trotz Quantität absolut notwendig erscheint, ist die Ausrichtung der Grundstudien, vor allem beim kurzen Bachelor: Die Programme sollten breiter sein, eine gemeinsame Grundbildung aller SozialwissenschafterInnen bzw. GeisteswissenschafterInnen würde viel zu einem höheren Niveau beitragen. Nicht umsonst hatte in früheren (Linzer) Studienplänen kein Studium im ersten Abschnitt weniger Soziologie als das Soziologie-Studium. Außerdem ist es ohnehin eine gewaltige Illusion zu glauben, in 3 Jahren zu einem/einer SpezialistIn ausgebildet zu werden &#8211; das sind dann FachidiotInnen, die mit Vokabular um sich werfen, aber nichts damit anfangen können. Eine solide Grundbildung wäre hingegen in 3 Jahren machbar und ist auch ein verlässliches Mittel gegen den „Schweinezyklus&#8221;.</p>
<p>Paradoxerweise kann (zumindest in den Sozialwissenschaften) einerseits ein relativ niedriges Niveau der Lehre und andererseits eine relativ hohe Drop-out Quote kritisiert werden. Dahinter vermute ich ein riesiges methodisches Defizit: Man lernt auf der Uni viel unnützes Zeug, wenn notwendig auswendig. Was man nicht lernt (oder eben nur durch Trial and Error): Wie geht man mit dem Überfluss an Information um? Wie verschafft man sich selbstständig Informationen zu einem Thema, wie organisiert man es und generiert aus diesen Informationen Wissen? Wie beurteilt und bewertet man es kritisch? Wie macht man es nutzbar und kann die richtige Anwendung überprüfen?</p>
<p>In den USA gibt es z.B. „writing centers&#8221;, die beim Schreiben-lernen helfen und eigene „learning centers&#8221; zum Lernen-lernen (siehe dazu Yussi Picks Momentum08-Beitrag <a href="http://momentum09.org/images/beitraege/track4/pick_beitrag.pdf">„Amerikanisierung der österreichischen Universitäten. Gerne, aber bitte richtig</a>&#8220;). In Österreich wird wissenschaftlich Arbeiten mit „korrekt zitieren&#8221; gleichgesetzt. Es gibt nicht wenige intelligente Menschen, die sich durch die Multiple-Choice-Marathons der Studieneingangsphase gekämpft haben, aber später mit den Anforderungen jenseits des Anstreberns und Ankreuzens überfordert waren und das Handtuch geworfen haben.</p>
<h2>Hochschulpolitisches Twin-Deficit</h2>
<p>Wieviel bleibt von den heutigen Aktivitäten aller auf den Unis arbeitenden (Studierende, Lehrende, Forschende, Verwaltende) übrig, wenn alles was als sinn- und wirkungslos erachtet wird, einfach weggelassen wird? Welche Aktivitäten wären möglich, wenn das alles zur „nicht notwendigen Zugabe&#8221; erklärt wird? Ökonomisch gesprochen: Wenn die Kapazitäten nicht ausreichen, kann man a) den Leistungsumfang reduzieren (=Zugangsbeschränkungen), b) die Kapazitäten erhöhen (=mehr Geld) und/oder c) mehr aus den vorhandenen Ressourcen machen (=effektivere Uni).</p>
<p>Österreich steht vor einem unipolitisches Twin-Deficit: Es gibt zu wenige Studierende und zu wenig Niveau. Dieses Dilemma wird nur lösbar sein, wenn man den Widerspruch zwischen Qualität und Quantität so gut es geht aufhebt bzw. schwächt. Dazu braucht es mehr Geld <em>und</em> effektivere Unis.</p>
<p>Ein Massen-Grundstudium kann auch in der Bachelor-Architektur Sinn machen und qualitativ hochwertig sein, wenn beispielsweise die IT-Möglichkeiten ausgeschöpft werden, Ressourcen nicht für vergleichsweise unwirksame Routinetätigkeiten vergeudet werden sondern für bessere Betreuung genutzt werden und statt erbsenzählerischem Faktenlernen die Methodenkompetenz in den Mittelpunkt gerückt wird. So wären der freie Zugang auch zu überlaufene Massenstudien aufrecht zu erhalten.</p>
<p>Daran sollte die Sozialdemokratie auf jeden Fall festhalten: In der Zwischenkriegszeit erkämpfte die Sozialdemokratie, dass 9 Jahre Schulbildung für jedeN erreichbar sein mussten. In der Nachkriegszeit waren es 12 Jahre (Matura), die theoretisch für alle frei also ohne Beschränkungen erreichbar wurden*. Im 21. Jahrhundert sollte die (Wissens-)Gesellschaft allen BürgerInnen die Möglichkeit geben, ein Grundstudium zu absolvieren und so noch einmal 3 Jahre zum „BürgerInnenrecht Bildung&#8221; drauflegen.</p>
<p>* Was ich sowohl bei Niki als auch Sophie vermisse : Die Tatsache, dass die Unis nur die letzte Stufe eines sozial-selektiven Bildungswesens sind. Daran ändern noch soviel Uni-Finanzierung und noch so gute Einstiegsphasen (die ja auch positiv sein können) nichts. Wer nicht will, dass sich an Unis Eliten über Generationen selbst reproduzieren, sollte nicht beim Symptom Unizugang ansetzen, sondern in Kindergarten und Schule beginnen &#8211; dort wird heute noch am allerstärksten sozial selektiert. Wie ich Niki und Sophie kenne, sind wir uns da ohnehin einig.</p>
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		<title>SPÖ brennt?</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Nov 2009 20:59:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gab sicher schon einfachere Zeiten für die Sozialdemokratie, und die SPÖ war sicher auch schon besser aufgestellt. Aber ist das ein Grund, die Reste unserer Glaubwürdigkeit zu zerstören? Ist das ein Grund, diejenigen, die an unserer Stelle für unsere Ideale eintreten, vor den Kopf zu stoßen? Ich frage, weil ich Werner-Ich-bin-für-Zugangsbeschränkungen-und-lasse-Hahn-dabei-freie-Hand-Faymann* einfach nicht mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gab sicher schon einfachere Zeiten für die Sozialdemokratie, und die SPÖ war sicher auch schon besser aufgestellt. Aber ist das ein Grund, die Reste unserer Glaubwürdigkeit zu zerstören? Ist das ein Grund, diejenigen, die an unserer Stelle für unsere Ideale eintreten, vor den Kopf zu stoßen? Ich frage, weil ich Werner-Ich-bin-für-Zugangsbeschränkungen-und-lasse-Hahn-dabei-freie-Hand-Faymann* einfach nicht mehr packe.</p>
<p><span id="more-788"></span></p>
<p>Tatsache ist nämlich, dass die SPÖ im Bildungsbereich gemessen an ihren Zielen für die letzten Jahrzehnte nur eine Bilanz des Versagens und Scheiterns vorweisen kann. Oder sagen wir so: Die SPÖ konnte kein einziges ihrer  großen Ziele im Bildungsbereich umsetzen (Stichwort Chancengerechtigkeit/Gesamtschule, individuelle Förderung/Ganztagsschule, ). Tatsache ist auch, dass die  SPÖ derzeit nicht einmal im Stande ist, diese großen Forderungen zu formulieren und zum Thema zu machen. Das gilt nicht nur für den Bildungsbereich. Deshalb und aus vielen anderen Gründen finde ich die Titel-Analogie zu den Protesten gegen miserable Studienbedingungen gerechtfertigt.</p>
<p>Tatsache ist aber auch, dass die Studierendenproteste das tun, was eigentlich die Sozialdemokratie machen müsste: Menschen befähigen, sich in ihre eigenen Angelegenheiten einzumischen und für ein fortschrittliches Reformprogramm einzutreten. Keine der zentralen Forderungen aus dem <a href="http://www.unsereuni.at/">Audimax</a> steht im Widerspruch zu sozialdemokratischen Zielen (Demokratisierung, freier Hochschulzugang, Bildung statt Ausbildung, Finanzierung, Frauenförderung), dasselbe gilt auch für den <a href="http://www.kindergartenaufstand.at/">Kindergartenaufstand</a> und selbstverständlich für die SchülerInnenproteste, die seit Jahren von der <a href="http://aks-linz.at/">AKS</a> ausgehen. Das müssten Faymann&#8217;s BündnispartnerInnen sein, doch er stößt sie (ast in Gusenbauerscher Manier vor den Kopf. Faymann ist selber schuld, wenn sich die Proteste auch gegen ihn richten. Es wären insofern sozialdemokratische Proteste, als man gemeinsame Ziele verfolgen würde. (Ich spreche NICHT von Vereinnahmung, sondern von einer breiten Pro-Bildung-Allianz).</p>
<p>Umso mehr unterstütze ich diesen offenen Brief:</p>
<blockquote><p>Offener Brief von VSStÖ/SJÖ/aks an das Regierungsteam der SPÖ</p>
<p>=     Wien (OTS) &#8211; Mit einem offenen Brief anlässlich des heutigen MinisterInnenrates richten sich der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ), die Sozialistische Jugend Österreich (SJÖ) und die Aktion Kritischer SchülerInnen (aks) an das Regierungsteam der SPÖ:</p>
<p>Liebe Ministerin, lieber Minister, liebe GenossInnen,</p>
<p>Die Studierendenproteste der letzten Wochen zeigen, dass an den Universitäten viel im Argen liegt &#8211; und dass die Studierenden sich wehren. Die Universitäten brauchen mehr Geld &#8211; und nicht weniger Studierende. Über die vielen Studierenden und den Anstieg der StudienanfängerInnen aufgrund der Teilabschaffung der Studiengebühren müssen wir uns freuen &#8211; anstatt über Beschränkungen zu sprechen.</p>
<p>Die Sozialdemokratie heftet sich in Österreich und weltweit den Kampf für Bildung als emanzipatorische Kraft auf die Fahnen. Die gemeinsame Schule ist ein Teil dieses Kampfes. Aber nicht Schulbildung, auch Hochschulbildung muss frei und allen zugänglich sein &#8211; denn nur das ermöglicht gerechten und gleichen Zugang zu Bildung; Zugangsbeschränkungen halten Menschen vom Studieren ab. Daran ändern Umdeutungsversuche in &#8220;qualitative Zulassungsvoraussetzungen&#8221; oder &#8220;Zugangsregelungen&#8221; nichts. Zugangsbeschränkungen, egal ob Aufnahmetest, Numerus Clausus oder Knock-Out-Prüfung in einer verschärften Studieneingangsphase, hindern vor allem sozial Schwächere am Studierenden.</p>
<p>Bildungsnahe Schichten sind an den Universitäten um den Faktor Drei überrepräsentiert (BMWF, Materialien zur sozialen Lage der Studierenden 2007). Kinder von Vätern mit akademischem Abschluss beginnen also mehr als fünfmal häufiger ein wissenschaftliches Studium als jene von Vätern mit Lehrabschluss. Deutlicher lässt sich die soziale Selektivität des österreichischen Bildungssystems nicht aufzeigen.</p>
<p>Begründet werden Zugangsbeschränkungen in aller Regel mit der schlechten budgetären Lage der Universitäten, man könne sich nur eine bestimmte Anzahl an Studierenden &#8220;leisten&#8221;. Dabei wird aber gerne verschwiegen, dass jene schlechte budgetäre Lage Ergebnis einer bewussten Budgetpolitik ist. Welchen Stellenwert Bildung hat, ist nämlich kein Sachzwang sondern politischer Wille. Dass Hahn und Co den &#8220;Ansturm der Deutschen&#8221; dazu verwenden, wieder Studiengebühren und noch mehr Zugangsbeschränkungen zu fordern, mag im Verständnis konservativer Politik logisch sein &#8211; als SozialdemokratInnen darauf einzusteigen, ist aber der falsche Weg.</p>
<p>Wir fordern euch auf, den Worten und Bekenntnissen zu zwei Prozent des BIP für den tertiären Bereich nun Taten folgen zu lassen &#8211; und der ÖVP und ihren Wünschen nach Elite-Hochschulen nicht klein bei zu geben! Hochschulen können und müssen ohne Zugangsbeschränkungen funktionieren. Dazu braucht es nicht nur ein Bekenntnis und Soldarisierungen sondern tatsächliche Verbesserungen. Der erste Schritt auf einem langen Weg zu einem fairen Hochschulsystem ist die Hochschulmilliarde.  Für den offenen Hochschulzugang!</p>
<p>Sophie Wollner, VSStÖ Bundesvorsitzende</p>
<p>Iris Schwarzenbacher, aks Bundesvorsitzende</p>
<p>Wolfgang Moitzi, SJ Verbandsvorsitzender</p></blockquote>
<p>*Laura Rudas  <a href="http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20091102_OTS0228">Aussendung &#8220;Zugangsregelung ist nicht Zugangsbeschränkung&#8221;</a> (&#8220;Angesichts der momentanen Bildungsdiskussion wird deutlich, welch unterschiedliche Ansichten ÖVP und SPÖ haben&#8221;) beängstigt mich mehr, als sie mich beruhigt.</p>
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