Linzer Jungschwarze auf Kärntner Spuren

Die Linzer Jungschwarzen üben heftige Kritik und versuchen sich ab und an auch in der Stadtentwicklung. Das ist an sich sehr begrüßenswert. Der Vorteil vom Kritisieren gegenüber konstruktiven Vorschlägen ist ja bekanntlich, dass man dafür nicht wirklich einen Plan braucht und die Kritik trotzdem berechtigt sein kann. Es ist bekannt, dass es bei den Jugendzentren Verbesserungsbedarf gibt – hier ist Linz genauso wie jede andere Stadt gefordert, Antworten auf die gesellschaftlichen Trends zu finden. Dazu äußert sich die JVP natürlich nicht.

In den letzten Tagen hat sich die JVP aber auch als “konstruktive” Kraft versucht. So soll etwa die Stadt Linz, und zwar konkret die LIVA, das AC/DC Konzert von Wels nach Linz holen – und zwar weil das  17,5 Millionen Umsatz für die Region bringt. Das ergibt irgendeine Studie, die natürlich nicht genannt wird. Man muss also davon ausgehen, dass “man das im Internet gelesen hat” oder selbst die Nähmaschine ausgepackt hat und irgendwas dahingerechnet hat. Entscheidender ist aber: Wer hat was davon? Und wer hat die Kosten? Beide Fragen beantwortet die JVP nicht. Profitieren würden die Plattenfirma, die Agenturen, der Technikverleih und deren Versicherungen. Die Brotkrümel, die tatsächlich für Linz übrig bleiben würden, fallen den Hotels und Security-Firmen zu. Die anonyme Studie geht von einem Tagesumsatz von einheimischen Event-BesucherInnen von 80€ aus – genauso viel kostet die Eintrittskarte. Die Kosten hätte offensichtlich nach JVP-Vorschlag die Allgemeinheit zu tragen – wenn es sich wirtschaftlich auszahlen würde, würden sich ja Private finden. Jetzt hat gerade Kultur auch nicht-wirtschaftliche Aspekte, die eine Subvention rechtfertigen könnten. Aber darum geht’s der JVP eben nicht. Es spricht nichts gegen das AC/DC Konzert in Linz, es spricht aber auch wenig bis nichts für eine öffentliche Subvention des Ganzen.

Das zweite Beispiel ist die Forderung nach einem “Kommerzkino” in der Innenstadt. Bekanntlich haben die innerstädtischen “Kommerzkinos” Apollo, Central oder Kolosseum alle zugesperrt. Aber nicht weil die Stadt irgendwas gemacht oder nicht gemacht hat, sondern weil sie von den Stadtrand Mega-Kinos verdrängt wurden. Die KinobesucherInnen schätzen eben große Kinos mit breiter Auswahl an Filmen und (Junk-)Food. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Allgemeinheit subventioniert einen innerstädtischen Kinopalast samt ausreichend Parkplätzen und übernimmt die Kosten und die Probleme der Absiedlung (bekanntlich gibts in der Innenstadt keine leerstehenden Flächen). Oder man sperrt die Stadtrandkinos zu, so dass sie einen kleineres Innenstadtkino wieder rentiert. Beides wäre jenseitig.

Fazit: Kultur wird wie vieles andere von der VP nur wirtschaftlich beurteilt. Dahinter steht aber keine Wirtschaftskompetenz oder eine Analyse der Auswirkungen, sondern ein Gemisch aus Bauchgefühl und Mythen. Das Ganze riecht stark nach Kärnten und der ach so böse und unfähige Staat muss plötzlich für unreflektierte Einbildungen herhalten. Das ist in wirtschaftlich guten Zeiten schon schlecht, wie Kärnten jetzt zeigt – in wirtschaftliche schlechten Zeiten ein umso größerer Holler.

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