Archiv für August, 2009

Warum mich „die graue Gefahr” kalt lässt und ich keinen Cent in private Vorsorge stecke.

Monday, 31. August 2009

Es ist wieder einmal Sonntag und wieder einmal muss ich mich über einen Profil-Artikel ärgern: „Graue Gefahr (…) Alt, aber gierig: Eine maßlose Kaste von Frühpensionisten und Langzeitrentnern bricht am Höhepunkt der Wirtschaftskrise den Generationenvertrag und stiehlt der Jugend die Zukunft.” So einen Schwachsinn habe ich denen nicht zugetraut. Dieser streckenweise hetzerische Artikel untergräbt das Vertrauen in das staatliche Pensionssystem und redet der privaten Vorsorge das Wort. Wer sich den ganzen Artikel sparen will, zwei Schüssel-Vertraute kommen ausführlich zu Wort und fassen die Stoßrichtung nett zusammen.

„Der Sinn eines Wohlfahrtsstaats kann ja nicht sein, dass ihn eine Generation mit ins Grab nimmt”. (Bernd Marin, „Pensionsexperte”, Vater des FPÖVP-Pensionsraubes)

„Wenn nicht länger gearbeitet wird, verändert sich die Pension zur Mindestsicherung mit Minipensionen.” (Winfried Pinggera, Direktor der Pensionsanstalt(!), früher im Schüssel-Kabinett)

Argumente, warum das ein Holler ist

Im Artikel findet sich zur Untermauerung eine Prognose, wonach auf 4 Erwerbstätige in 50 Jahren 2 statt wie heute 1 PensionistIn kommen. Das klingt dramatisch! Doch selbst wenn die Prognose stimmt, fehlt die zweite Hälfte der Rechnung. Nämlich: Wie viel gibt es dann zu verteilen? Die Finanzierbarkeit des Pensionssystems hängt nämlich nicht nur vom Verhältnis Erwerbstätige-PensionistInnen ab, sondern auch von der Produktivität (also wie viel ein erwerbstätiger Mensch pro Stunde/Tag/Jahr produzieren kann). Wäre dem nicht so, dürfte es schon heute kein Pensionssystem mehr geben – schließlich ist das Verhältnis zwischen Pensionierten und Aktiven schon heute viel „schlechter” als zur Einführung des Systems.

Geld macht nicht satt

Wenn nun die Produktivität pro Jahr nur um 1,5% zunimmt (bis in die 1990er Jahre wuchs die Produktivität um rund 2% jährlich), dann dauert es 47 Jahre bis dieselbe Anzahl an Erwerbstätigen in derselben Zeit das Doppelte produziert.  Wenn die Produktivität wieder um 2% wächst, wird in 50 Jahren 2,7 Mal so viel erwirtschaftet wie heute (zum Nachrechnen: 1,02 hoch 50 ergibt 2,69). Es wird also auch in 50 Jahren genug zu verteilen geben. Das muss so sein, zumindest so lange PensionistInnen sich nicht von Geld, sondern von Produkten ernähren und leben.

Unkündbar: Der Generationenvertrag

Daran knüpft ein anderer Kritikpunkt an: Es wird so getan, als ob der Generationenvertrag in Gefahr wäre. Normalerweise schreiben diverse Blätter, dass die Jungen ihn aufkündigen. Heute meint Profil, dass die Alten ihn verlassen würden. Beides ist schwachsinnig, denn der Generationenvertrag sagt: Die nicht mehr Arbeitsfähigen werden von den Erwerbstätigen ernährt und erhalten. Solange wir nicht dazu übergehen, die Alten in den Wald zum Verhungern zu schicken, muss das so sein.

So lange Menschen von Geldscheinen nicht satt werden gibt es keine andere Möglichkeit, den Generationenvertrag aufzukündigen. Was sollen die PensionistInnen denn essen, wenn nicht Lebensmittel, die von den Jüngeren hergestellt wurden? Was sollen sie denn anziehen, wenn nicht von Jüngeren hergestelltes Gewand? Von wem sollen sie denn gepflegt werden, wenn nicht von Jüngeren? Selbst wenn das staatliche Pensionssystem von heute auf morgen abgeschafft wird und nur noch das privat Angesparte für den Ruhestand übrig bleibt, selbst dann leben die Alten von den Jungen (oder sie leben eben nicht mehr). Den Fortbestand der Zivilisation vorausgesetzt, ist der Generationenvertrag unkündbar. Punkt.

Was man dem Artikel zu Gute halten muss, ist, dass er zumindest aufzeigt, wo es Verteilungsungerechtigkeiten gibt: Bei den Beamten und Bauern – sie zahlen als Gruppe systematisch weniger ein, als sie rausbekommen. (Dass seit Jahren genau bei jenen nichts gekürzt oder verschärft wird, erwähnt Profil natürlich nicht).

Von mir keinen einzigen Cent.

Fazit für heute: Wer das Pensionssystem für unfinanzierbar erklärt, ohne die Produktivität mitzudenken, belügt die Menschen. Wer glaubt, dass die Neoliberalen ihr Scheitern auch nur im Ansatz einsehen, ist blauäugig.

Ich für meinen Teil stecke keinen Cent in private Vorsorge. Solange es das Umlageverfahren gibt, habe ich auch nicht vor, daran etwas zu ändern. Warum? Neben den bisher erwähnten Argumenten für die Stabilität und Finanzierbarkeit des staatlichen Umlageverfahrens bin ich von einem überzeugt: Bevor ich in 40 Jahren in Pension gehe, werden noch viele Finanzblasen platzen und Erspartes entwerten. Darauf kann ich verzichten – auf die staatliche Pension nicht.

Tags:, , , ,

Ist Dobusch für die Weltwirtschaftskrise verantwortlich?

Sunday, 16. August 2009

Die Linzer ÖVP beschuldigt Franz Dobusch an der Börse 28 Mio. verzockt zu haben. Was ist da dran? Die kurze Antwort: Absolut nix. Diese Verleumdungkampagne mit Aussendungen an alle Haushalte und auf Plakaten ist “in der demokratischen Geschichte von Linz einzigartig”, meint Stadtrat Hans Mayr in  seiner harten aber leider zutreffenden Pressemitteilung:

„Der Watzl-ÖVP fehlen alle sachpolitischen Alternativen für die Zukunftsfähigkeit unserer Heimatstadt.  Watzl weiß offenbar genau, dass er keine Führungs- und Gestaltungskompetenz für die Zukunft von Linz hat. So hat die Watzl-ÖVP bereits ihr letztklassiges Gesicht gezeigt, wie sie Rauschgiftspritzen und Springmesser in Linz plakatiert hat, um so die Menschen zu verunsichern. Die politische Hilflosigkeit will die Watzl – ÖVP übertünchen. Sie startet eine hemmungslose Verleumdungskampagne gegen den Bürgermeister. Von dieser moralisch deklassierten Watzl – ÖVP  müssen wir noch manchen Schmutzkübel bis zum Wahltag am 27. September erwarten.”

Wer jetzt meint, dass ich das als SPÖ-Kandidat schreiben muss, ist eingeladen die etwas längere Antwort zu lesen und sich ein eigenes Urteil zu bilden:

  • Bürgermeister Dobusch ist also genau in dem Maß für die Buchverluste verantwortlich, in dem er die Weltwirtschaftskrise verursacht hat. Aber soviel Gestaltungskraft trauen ihm nicht einmal wir zu ;-) Die Watzl-VP-Logik: Wenn Dobusch in seinem Verantwortungsbereich keine Fehler macht, dann hängen wir ihm halt die Weltwirtschaftskrise um.
  • Das Pensionsinstitut gehört weder der LinzAG noch der Stadt, sondern ist ein selbstverwalteter Träger unter staatlicher Aufsicht (wie z.B. die GKK). Heißt: Bürgermeister Dobusch kann keinen Einfluss darauf gehabt haben, er hat dort weder Funktion noch Weisungsrecht. Das Pensionsinstitut ist wie wir alle Opfer der Weltwirtschaftskrise und nicht Täter. Das bestätigen auch Pressemeldungen von Sozialminister Hundstorfer (“Die Aufsichtsbehörde beim PI Linz ist das Sozialministerium und nicht der Bürgermeister von Linz”) und der LinzAG (“Derartige Lügen und falsche Darstellungen beeinflussen nicht nur den politischen Wahlkampf negativ, sondern verunsichern die Arbeitnehmer und Pensionisten der LINZ AG zunehmend. (…) Die LINZ AG ist Kunde beim Pensionsinstitut, das rechtlich vollkommen selbständig agiert.”)
  • Das Pensionsinstitut der LinzAG zahlt „nur” die Zusatzpensionen, nicht die „normale” ASVG-Pension. Und nur auf diese Zusatzpension beziehen sich die 17%.
  • Laut Presse mussten 2/3 der österreichischen Zusatzpensions-Institute heuer Verluste verbuchen.
  • Zum Stichtag 31.12.2008 waren die Wertpapiere um 28 Mio. weniger wert als am 31.12.2007. Da die Wertpapiere (u.a. Kepler-Fonds der Raffeisen Landesbank) nicht verkauft wurden und die Kurse mittlerweile wieder gestiegen sind, sind die Buchverluste zum heutigen Tag viel niedriger.
  • Wahr ist vor allem aber auch, dass die Schüssel-Regierung dieses Zusatpensionssystem den ÖsterreicherInnen gesetzlich verordnet hat. Oder wie es Rudolf Hundstorfer sagt: “Wäre dieser gesetzliche Schritt nicht erfolgt, hätten wir die negativen Auswirkungen heute nicht.” Hätte Watzl den Anstand und das Format eines Bürgermeisters, müsste er die Anschuldigungen gegen seine eigene Partei richten (oder schweigen)! Dass er dafür noch hart an sich arbeiten muss, haben wir bei seiner “Linz: El Dorado für Kriminelle und Drogenbarone” Kampagne gelernt.

Watzl ist nicht naiv – er weiß das alles. Er liefert uns einen Bilderbuchbeweis, dass Moral, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit nicht notwendigerweise politische Kategorien sind. Zumindest in seiner vom Sittenverfall befallenen ÖVP nicht. Hoffentlich bewahrheitet sich, dass Lügen kurze Beine haben.

Aber auch ich will nicht naiv sein. Es ist nahezu unmöglich, diesen Sachverhalt allen zu erklären, die mit diesem Lügengebäude in Berührung kommen. Das wiederum kann aber nur ein Grund sein, uns noch mehr ins Zeug zu legen und klar zu machen, worum es bei dieser Wahl wirklich geht.

Tags:, , , , ,

Zuerst krachen die Banken, dann die Jobs und dann die Staaten.

Sunday, 09. August 2009

Ich mag Sonntage, weil ich da Zeitungen lesen oder (etwas längere) Blogbeiträge schreiben kann. Manchmal fällt das zusammen, z.B. wenn sich ein oder zwei (für mich) interessante Artikel im druckfrischen Profil finden. So wie heute: Unter dem Titel „Die sieben Sünden” wird kritisiert, dass die Regierung nichts aus der Krise gelernt hätte und sich die Kernschmelze des Kapitalismus deshalb wiederholen könne.

Viel interessanter als die „Sünden” ist aber der Ausgangspunkt des Artikels: Die Erste Bank machte im ersten halben Jahr netto 500 Mio. Gewinn, die BA-CA 833 Mio. Jenseits des Teichs melden Goldman Sachs bzw. Citigroup 2,7 bzw. 3 Mrd. plus. Profil wörtlich: „Als hätte es die Krise nie gegeben.”

Wenn man bedenkt, dass es sich angeblich um die schwerste Wirtschaftskrise seit über 70 Jahren handelt, könnte man sie angesichts dieser Zahlen für beendet erklären. Das tun auch ÖkonomInnen, die einen „Aufschwung zweiter Ordnung” ausrufen weil sich in ihren Schätzungen der Einbruch des BIP verlangsamt.  Auch wenn ich mit Leuten rede, glauben erstaunlich viele, dass „das Gerede von der Krise” übertrieben ist. Die meiner Meinung nach weit realistischere und im Titel angedeutete Sicht der Dinge (Zuerst die Banken, dann der Arbeitsmarkt, dann die Staaten) wird als „sehr pessimistisch” eingestuft. Insofern hoffe ich, dass ich mich irre. Warum ich glaube, dass es noch (viel) schlimmer kommen wird:

1)      Banken-Krise:

Wenn überhaupt ist dieser Abschnitt vorbei. Ich glaube auch das nicht. Die Kennzahl „Gewinn” mag bei Unternehmen aus der Realwirtschaft noch einigermaßen aussagekräftig sein. Bei Banken ist das Arsenal an legalen Bewertungstricksereien, so groß, dass der „Gewinn” wenig bis nichts über den Zustand des Unternehmens sagt:

Die BA-CA hat 833 Mio. ihrer Überschüsse als Netto-Gewinn ausgewiesen – eigentlich müsste sie stattdessen aus kaufmännischer Vorsicht in dieser Höhe (gewinnmindernd) Rückstellung für Schadenersatzansprüche bilden. Wie das Profil im zweiten spannenden Artikel berichtet, hat die BA-CA über 800 Mio. für ihren „Primeo-Fonds” von privaten Anlegern gesammelt. Das Geld ging 1:1 (minus 2% Management-Gebühr für die BA-CA, versteht sich) an den Wallstreet-Pyramiden-König Madoff. Das Blöde für die BA-CA: Die Anleger wussten nichts davon und wollen jetzt ihr Geld zurück. Bis das ausgefochten ist, vergehen Jahre. Die Keller der Banken sind noch voll mit (finanziellen) Leichen. Nach Abe Lincoln: “You can hide all your losses some of the time, and some of the losses all the time, but you cannot hide all your losses all the time.”

Ein anderes Risiko: Finanzpapiere sind wie alle anderen „Werte” im Verkaufsfall (und nur der zählt) genau so viel wert, wie jemand anderer zu zahlen bereit ist. Nun halten Banken viele dieser Papiere, an denen die KundInnen das Interesse verloren haben. Das sind tickende Zeitbomben: Wenn eine Bank so dringend liquide Mittel braucht, dass sie verkaufen muss, fällt der Preis. Andere fühlen sich dadurch gezwungen, ihre Verluste durch Verkaufen zu realisieren, bevor es andere tun und der Preis ins Bodenlose fällt (was dann auch tatsächlich passiert, dazu lesenswert: Kindleberger, Galbraith). Der Zusammenhang zwischen dem Wunsch nach Liquidität und der Stabilität der Banken ist viel komplexer, als die Daniel-Düsentriebs der heutigen Ökonomie (im Gegensatz zu Keynes) wahrhaben wollen. Aber um die Banken mache ich mir die wenigsten Sorgen – so selbstlos wie der Staat mit Steuergeld einspringt. (Profil: Statt der budgetierten 580 Mio. bekommt Pröll nur 140 Mio. Dividende für das bisher ausbezahlte Bankenhilfspaket über 6 Mrd., das sind 2,3%)

2)      Arbeitsmarkt-Krise:

Die Wirtschaft läuft im Kreis. Wenn ich 1€ für ein Eis ausgebe, ist das gleichzeitig eine Einnahme für Eisstand-BesitzerIn, VerkäuferIn, HerstellerIn, RohstoffproduzentIn, Staat, etc. Diese halten das Geld aber nicht (zur Gänze), sondern geben es wieder aus, was für jemand anderen wieder eine Einnahme darstellt. Auf dieser Einsicht beruht der so genannte Multiplikatoreffekt (auch Keynes). Die Quintessenz für den „Hausverstand” ist: Jede wirtschaftliche Handlung ist a) wichtiger als für sich alleine genommen und braucht b) länger als für sich alleine genommen. Der Multiplikator gilt natürlich nicht nur für Eiskugeln, sondern auch für die Entscheidung des/der Eis-HerstellerIn, eine neue Maschine in Auftrag zu geben, wenn die Bank gewillt ist, die Investition zu finanzieren. Die Wirtschaft läuft also mit unterschiedlicher Geschwindigkeit in einem Kreis, der sich permanent  selbst verändert.

Daraus folgt nicht zwingend, dass die Arbeitslosigkeit im Herbst/Winter steigen oder explodieren wird. Sehr wohl folgt daraus aber, dass die bessere Situation der Banken unter keinen Umständen eine Entwarnung für den Arbeitsmarkt begründen kann.

Dazu kommt, dass Unternehmensleitungen grundsätzlich gerne Arbeitsplätze abbauen, wenn der Betrieb irgendwie aufrecht erhalten werden kann. So ist Kapitalismus. Unternehmen suchen aber nicht nur Gewinne, sondern auch Anerkennung und Legitimation in der Gesellschaft. Absurderweise fallen deshalb Kündigungen in schwierigen Zeiten leichter als in guten. Die Krise ist ein willkommener Vorwand, Kündigungen vorzunehmen, die vorher zu viel Stress bedeutet hätten.

3)      Staats-Krise:

Arbeitslosigkeit ist nicht nur für die Betroffenen ein Problem, sondern auch für die gesamte Wirtschaft: Wer im Monat auf einmal 1.000 Euro weniger zur Verfügung hat, wird seine Ausgaben auf das Notwendigste einschränken. Um diese Nachfragelücke einigermaßen abzufedern, gibt es die so genannten „automatischen Stabilisatoren” wie das Arbeitslosengeld. Sie wirken anti-zyklisch: Geht’s der Wirtschaft gut, gehen die Staatsausgaben zurück und die lohnabhängigen Staatseinnahmen steigen. Geht’s der Wirtschaft schlecht, steigen die Ausgaben um den Nachfrageausfall wettzumachen und die Steuereinnahmen gehen zurück. Die Stabilisatoren führen zu einer automatischen und konstruktiven Verschuldung der öffentlichen Hand. Gerade in Österreich haben wir dem sehr viel zu verdanken.

Damit diese Stabilisatoren greifen können, braucht der Staat finanziellen Spielraum. Mehr Ausgaben für Arbeitslose mit Kürzungen in anderen Bereichen zu finanzieren, killt den Effekt, weil jede Ausgabe auch eine Einnahme ist. Wenn die ersten drei Nachfragesäulen (Haushalte, Unternehmen, Ausland) einbrechen, bringt eine Verschiebung innerhalb der vierten Säule (Staat) nichts. Wer das nicht einsieht, blendet das Gesamtbild einfach aus. Deswegen ärgern mich die regelmäßigen Fragen von JournalistInnen, mit welchen Einsparungen Konjunkturpakete finanziert werden sollen: Wenn Konjunkturpakete durch Einsparungen finanziert werden, können sie nichts für die Konjunktur tun. Das passt zwar nicht in die einzelwirtschaftliche Unternehmer-Logik, ist aber trotzdem so.

Ob es zu einer Staats-Krise kommt bzw. wie hart diese ausfallen wird hängt nun davon ab, wie viel Spielraum sich die Republik für die zweite Phase aufgehoben hat. Wenn das ganze Pulver für die Banken verschossen wurde, schaut’s schlecht aus für uns. Denn dann muss zwingenderweise auf die Banken- und eine allfällige Arbeitsmarktkrise die Staatskrise folgen. Gut möglich, dass bis dahin die Banken wieder wirklich fit sind und an der Staatskrise fett verdienen. Sie werden vom Staat Zinsen, Zinseszinsen und aufgrund der Staatskrisen womöglich Risikoaufschläge erhalten. Das muss so sein, weil die Schulden des einen das Vermögen eines/einer anderen sein müssen. Leider passt auch das nicht in die einzelwirtschaftliche Logik.

Wie gesagt ich hoffe, dass ich mich irre. So oder so: Die Krise ist noch (lange) nicht vorbei. Der Kapitalismus liegt im Krankenbett und es braucht dringend die Sozialdemokratie an seiner Seite. Aber nicht irgendeine Sozialdemokratie: Wer gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge wie z.B. die SPD ignoriert, ist genauso hilfreich wie ein Agrarier als Finanzminister, der die Zusammenhänge nicht versteht und deswegen auf die Ratschläge seiner Freunde aus dem Raiffeisen-Sektor angewiesen ist.

Tags:, , , , ,

FPÖ für Schulverbot für Nicht-Deutsche?

Thursday, 06. August 2009

Entweder objektiv daneben oder rechtlich unmöglich, auf jeden Fall aber sprachlich sehr holprig: Die „Erst DEUTSCH, dann SCHULE”-Plakate des Linzer FPÖ-Bürgermeisterkandidaten. Unklar bleibt, ob Hr. Wimmer nur deutschsprechende oder nur deutsche Kinder in die Klassenzimmer lassen will.

Daneben

Tatsache ist, dass alle Kinder, die einen städtischen Kindergarten besuchen, im Mai des vorletzten Kindergartenjahres von LogopädInnen untersucht werden. Stellen diese einen Bedarf fest, wird während des gesamten letzten Jahres im Kindergarten gefördert. Daraus folgt unweigerlich: Nur wenn ein Kind erst nach dem Schuleintrittsalter nach Linz kommt („QuereinsteigerInnen”), gibt es keine Deutschförderung vor der Schule. Was die FPÖ als Versprechen plakatiert, ist schon lange Wirklichkeit. Wenn die FPÖ einen Weg findet, Kinder, die erst in Zukunft in Linz sein werden, schon jetzt von Linz aus zu fördern, werden wir uns dem nicht verschließen ;-) . Abgesehen davon: Auch Kinder ohne Migrationshintergrund müssen in die Schule gehen, um Deutsch zu lernen.

Rechtlich unmöglich

Wenn man den FPÖ-Vorschlag (kein Schuleintritt ohne Deutschkenntnisse) hingegen ernst nimmt, bedeutet das nichts anderes als die Abschaffung der Schulpflicht für diese Gruppe: Die FPÖ steht für eine Schulpolitik, die Kinder mit Migrationshintergrund nicht an unsere Gesellschaft heranführt, sondern ihnen jede Chance nimmt. Zum Glück ist die Schulpflicht durch die Bundesverfassung vor solchen Umgehungsversuchen geschützt.

Holprig

Verwunderlich ist aber vor allem, dass ausgerechnet der deutschnationale Linzer FPÖ-Chef die deutsche Sprache auf seinen Plakaten mit Füßen tritt. „Erst DEUTSCH, dann SCHULE”- Herrn Wimmers DeutschlehrerInnen müssen ja in Tränen ausbrechen. Bei meiner Deutschlehrerin hätte der Rotstift geglüht.

Deutsch oder deutsch?

Zum Schluß: Die Schreibweise am Plakat lässt uns meines Wissens über ein wichtiges Detail im Unklaren. „Erst Deutsch, dann Schule” bedeutet, dass man Deutsch können muss, um eine Schule besuchen zu dürfen. „Erst deutsch, dann Schule” hingegen, dass man deutsch (im Sinne von Deutscher oder Deutsche) sein bzw. werden muss, um eine Schule besuchen zu dürfen. Vernachlässigbarer Zufall? Vermutlich. Zuzutrauen ist es den Deutschnationalen rund um Herrn Wimmer  auf jeden Fall.

Tags:, , , , ,

Dabei haben wir schon die FPÖ …

Sunday, 02. August 2009

Nach allem was ich weiß zählen die Blauen in Linz und OÖ zu den rechtesten innerhalb der Strache(!)-FPÖ. Und jetzt will auch noch die (noch) rechtsextreme(re) NVP bei den Landtagswahlen kandidieren?  Das kann man gelassen sehen. Man könnte sagen: Sollen sie sich doch gegenseitig die Stimmen wegnehmen. Ich befürchte nur, das ist nicht zu Ende gedacht.

  • Alleine das Rabauken-Image der NVP führt dazu, dass die FPÖ nicht mehr als die rechteste Partei wahrgenommen wird. Dabei muss man vermutlich lange in der Szene sein, um beurteilen zu können, wer jetzt weiter „rechts” steht: Detlef-„Zu rechts für das Bundesheer”-Wimmer und seine zukünftigen Linzer FPÖ-Gemeinderäte Ortner (war in der neonazistischen VAPO) und Übelacker (Deutscher, der bei den rechtsextremen Republikanern war) oder die NVP, die ihr Programm von der SS kopiert.
  • Alleine die Kandidatur einer rechtsextremen Splittergruppe, für die 0,5% der Stimmen ein Erfolg sind, ist fatal. Bei den Grazer Wahlen 2008 hat die FPÖ den Bogen überspannt und relativ schlecht abgeschnitten (11%) – für die NVP wären Winters unerträgliche Aussagen noch viel zu nahe am demokratischen Mainstream gewesen.
  • Alleine die vorletzte Rundschau-Ausgabe ist Grund zur Annahme, dass die Medien diesen Finsterlingen auf den Leim gehen werden. Die haben der Zwergenpartei nicht nur die Titelseite, sondern auch noch ein „ganzseitiges redaktionelles Inserat” geschenkt. Anders kann man ein E-Mail-Interview (für sie ein „E-Post-Fragegespräch”) einfach nicht bezeichnen. Kein Wunder, dass die NVP auf ihrer “Heimseite” damit wirbt. Diese verlinke ich sicher nicht – wer sie über Google sucht, findet übrigens das … (vielleicht liest ja jemand von der JVP mit und will/kann sich darum kümmern…):

jvp_nvp

Tags:, , ,
blank info