Archiv für July, 2009

Zum Abschuss freigegeben: Wie die Verunsicherungskampagne der Linzer VP einbricht.

Saturday, 11. July 2009

Die Welt steckt in einer Krise, damit/trotzdem auch die Sozialdemokratie. Für heute verdränge ich das noch einmal und beschäftige mich noch einmal mit einer mittelmäßigen Kampagne einer offensichtlich verzweifelten Linzer ÖVP. Die Kampagne ist tatsächlich bestenfalls mittelmäßig und ist merklich eingebrochen.

• Die Kronzeugen der Kampagne brechen weg: Landespolizeikommandant und Ex-Kabinettsmitarbeiter der ÖVP-Innenministerin Prokop, Andreas Pilsl killt den Wahlkampf-Märchen-Aufreger „SPÖ-Linz will Polizeizimmer schließen“ u.a. in Heute.

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• Die Alliierten brechen weg: Ein paar Tage später schreiben die OÖN (!): „Wahlplakat ärgert Exekutive. Polizeichef: Linz ist sicher.“ Und vorgestern urteilt ein Werbefachmann in einem Plakat-Vergleich der Rundschau (auch kein Anti-ÖVP-Blatt): „Ich fühle mich bedroht (…) Das hat zwar Signalwirkung, aber passt das zu einer konservativen Partei? (…) Eine solche Bildsprache ist einer ÖVP nicht würdig.“ (Das Urteil über unser Plakat: „Klassisch, klar und überzeugend.“)

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• Die Zielgruppe ist irritiert: Watzl war bisher der traditionsorientierte, sympathische Seitenblicke-Mensch. Dieses Image hat er sich hart erarbeitet. Und jetzt macht er auf skrupelloser Law-and-order Typ? Das Bildungsbürgertum von den Hügeln erkennt die Absicht und ist verstimmt. Einige Jüngere treibt er sicher zu den Grünen. Und die vielen Vielleicht-FPÖ-WählerInnen unterscheiden genau zwischen blauem Schmied und schwarzem Schmiedl.

Das mag Grund zur Freude sein. Ich sehe das anders. Vermutlich ist die FPÖ hochgradig angepisst, weil Watzl versucht ihr Thema wegzunehmen. Das müssen sie natürlich toppen. Das ist ihnen auch zuzutrauen – und das macht Angst. Was wäre denn eine Steigerung von Messern und Spritzen? Eine Frau mit Kopftuch und Handgranate? Ein Afro-Linzer mit Maschinengewehr? Daniel Wolf hofft in den Tips, dass mit der ÖVP-Kampagne der “negative Höhepunkt” im Wahlkampf erreicht ist und das “Sommerloch zu einer Rückbesinnung auf die tatsächlichen Gegebenheiten in Linz” führt. Die Hoffnung stirbt zu letzt.


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Auf 1 Spritze kommen 100 Plakate

Saturday, 04. July 2009

VP-Watzl pflastert ja zur Zeit Linz mit widerlichen schwarz-(neon)-gelben Plakaten zu. Eines davon zeigt eine Spritze mit dem Spruch “Spielzeug für ihr Kind”. Abgesehen davon, dass jemand mit psychologischer Ausbildung einmal analysieren sollte, warum ein und dieselbe Person Kultur- und Tourismusverantwortlicher ist und gleichzeitig solche “Linz: The Bronx of the alps”-Kampagnen fährt: Das ist vollkommen surreal und übertrieben. 2007 hat die Linzer Polizei 36 Mal Anzeige wegen Suchtgifthandel erstattet. Nachdem die Drogenkriminalität in Linz ja wirklich so extrem explodiert waren es 2008 sage und schreibe 37 Anzeigen. Über den Daumen geschätzt kommen auf eine solche Anzeige zehn Panikmache-Plakate.

[Eigenwerbung: Diese aufschlussreiche Information kommt von der brandneuen Seite www.linzpartei.at. Wir haben versucht, eine ansprechende und kommunikative Plattform für alle FreundInnen der Linzer SPÖ und die, die es noch werden wollen, zu gestalten. Über Kritik, Verbesserungsvorschläge und Fragen freuen wir uns sehr, genaugenommen sind wir darauf angewiesen: Schreib uns ein Mail oder hinterlasse einen Kommentar hier oder in Facebook. Danke!]

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Sicher ist sicher.

Wednesday, 01. July 2009

Seit Watzl die neongelbe Krawatte hat, will er Jugendplanquadrate in Linz. (Unschuldsvermutung wird umgedreht: Du bist jung, dann wirst sicherheitshalber perlustriert.) Er fordert Überwachungskameras in der ganzen Stadt. (Wer in London unterwegs ist, wird pro Tag mindestens 300 Mal gefilmt, in 13 von 14 Stadtteilen hatte das keinen messbaren Einfluss auf die Kriminalität). Sie wollen Sperrstunden, die nicht einmal am Land denkbar wären. (In einer Stadt schon gar nicht). Und sie wollen auch Alkoholverbote (!) im öffentlichen Raum und um diese zu überwachen eigene Stadtsheriffs. (Die Polizei wäre sich dafür zu Recht zu gut, vor allem seit FPÖ und ÖVP 3.000 PolizistInnen eingespart haben.) Was kommt als nächstes, ein generelles Ausgehverbot ab 21 Uhr?

Watzl dürfte von der bayrischen Schwesterpartei das Motto „Rechts von uns darf kein Platz sein“ ausgeborgt haben. In einer Stadt, in der schlagende Burschenschafter, ein Deutscher mit Kontakten zur rechtsextremen Szene und ein ehem. VAPO-Mann (gewaltbereite Neonazi-Organisation) ganz vorne bei den Blauen kandidieren, ist das keine gute Idee. Sei’s drum, Watzl macht einen auf Mini-Fekter. Was wirklich sicher ist: Wer Freiheit für Sicherheit aufgibt, wird beides verlieren. Angst ist ein schlechter Ratgeber, auch wenn man sie selbst geschürt hat. Und: Nur Erfahrung gibt Sicherheit.

PS: Ausgerechnet während der VP-(Un-)Sicherheitskampagne ist  bei Watzl’s Internetsicherheit ein Loch entstanden. Oder ist das Absicht?

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