Warum die Zentralmatura den Unterricht verbessert
Tuesday, 23. June 2009Ich bin ein großer Fan der Zentralmatura. Die für mich wichtigsten Argumente sind in der bisherigen Diskussion aber nicht erwähnt worden: Die Zentralmatura verbessert den Unterricht schon lange vor der Matura.
1.) Nur mit einer Zentralmatura begreifen SchülerInnen und LehrerInnen, dass sie im selben Boot sitzen.
Alles, wirklich alles, hat in “maturaführenden” Schulen seinen letzten Sinn in der Matura. Zumal die LehrerInnen die Fragen festlegen (bei der Mündlichen sogar für jedeN SchülerIn einzeln), sitzen LehrerInnen und SchülerInnen eben nicht im selben Boot. Von Anfang an ist klar: Der/Die LehrerIn kann alle durchbringen. Muss er/sie aber nicht. Das ist mit einer Zentralmatura anders: Die Lehrkraft weiß, dass es eben nicht nur in ihrer Hand liegt.
2.) Nur mit einer Zentralmatura sind SchülerInnen einigermaßen vor den Abneigungs-Bekundungen ihrer LehrerInnen geschützt.
Dazu eine kurze Geschichte: Eine Verwandte von mir hatte nie besonders gute (oder regelmäßig besonders schlechte) Noten. Meiner Erinnerung nach war sie so selbstbewusst, dass sie ihre eigene Meinung verteten hat – notfalls auch gegen die LehrerInnen. Diese Eigenschaft hat ihr (nachweislich) das Wohlwollen einzelner LehrerInnen gekostet. Kurz vor der Matura sagte dann eine von ihnen sinngemäß: “Du wirst die Matura nie schaffen.” Sie hat auch tatsächlich kein gutes Matura-Zeugnis bekommen. Bis hier eine Story, die sich jedes Jahr Tausende Male in österreichischen Schulen abspielt. Die Geschichte hat auch ein zweites Ende: Meine Verwandte hat (wie ich) eine Schule mit einer Kombination aus herkömmlicher und zentraler Matura. Bei den Prüfungen, die international vorgegeben und kontrolliert wurden, hat sie eines der besten Ergebnisse der Schulgeschichte erzielt. Ich finde, ob man sich sympathisch ist oder nicht, darf beim Schulabschluss keine Rolle spielen. Dafür braucht es zentrale Prüfungsfragen.
3.) Nur mit einer Zentralmatura können sich schlechte LehrerInnen nicht mehr eine ganze Berufslaufbahn lang durchschummeln.
Niemand wird bestreiten, dass es möglich ist, jahrelang zu wenig zu unterrichten und dann knapp vor der Matura eine Hand voll Beispielen ordentlich durchzunehmen, die dann durch Zufall tatsächlich auch Bestandteil der Matura sind. Viele werden hingegen bestreiten, dass es tatsächlich möglich ist, so ein ganzes BeamtInnenleben zu verbringen. Ich glaube vielmehr, dass es sogar recht viele davon gibt. Sie haben sich an das System angepasst. Das ist ihnen nicht übel zu nehmen, sondern das Natürlichste der Welt.
Diesen 3 Argumenten gemein ist, dass die SchülerInnen im Mittelpunkt stehen und, dass “Lernen” und nicht “Unterricht” das übergeordnete Ziel der Schule ist. Abschließend: 1) Ich dachte ja, eine Zusammenarbeit, die auf offensichtlicher Junktimierung (Kuhhandel, siehe letzter Beitrag) beruht, ist am Ende. Was ist aber dann mit einer Koalition, in der nicht einmal das mehr funktioniert? 2) Bernd Schilcher (einer der vernünftigsten BildungspolitikerInnen des Landes und ÖVP-Außenseiter) hat im Standard ein lesenswertes Interview zum Thema gegeben.
Tags:Bildung, Linzpartei, Schmied, Schule, Zentralmatura


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