Bumsti, der Trendparasit
Sunday, 31. May 2009
Zuletzt ging es ja um Bumsti und die Burschenschaften . Dem FPÖ-Chef darf man ja nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Wien in einem Profil-Prozess “Nähe zum nationalsozialistischen Gedankengut” nachsagen. Das meint die absolut bewerbenswerte Initiative von Ariel Muzicant www.kellernazisinderfpoe.at über Bumsti:
Parteichef, Mitglied bei der pennalen Burschenschaft „Vandalia”, Wien, Verkehrte noch bis Ende der 1980er Jahre in Neonazi-Kreisen, Wehrsportübungen, Autor in der rechtsextremen “Aula”, verlangt die Abschaffung des Verbotsgesetzes und dass der “Büßeranzug” endlich gegen den “Kampfanzug” (gegen eine angeblich drohende “Islamisierung”) eingetauscht werde.
Trotzdem wird dieser Vandale (so nennen sich Bumsti und seine Kameraden) gewählt. Trotzdem? Ich glaube nicht.
Ich glaube eher, dass es den allermeisten FPÖ-WählerInnen völlig egal ist, weil Strache (wie Haider) aus völlig anderen Gründen gehasst bzw. geliebt wird: Er wird geliebt, “weil er sich was traut, weitgehend angstfrei ist, weil ihm jede Scham fehlt”, weil er ein “Trendparasit” ist (Rap, Che-Kapperung, Armbänder, Comics, Discotour, …)*. Der Hass der Hassenden wegen seiner Nähe zum nationalsozialistischen Gedankengut mag von ihm noch so oft gefüttert werden, die Liebe der Liebenden bleibt dadurch im Wesentlichen unbeinflusst.
Nun gibt es zwei Wege, wie dieser “Finsterling” (© Häupl) bekämpft werden kann: 1) Mehr Hassende zur Wahl bringen und/oder 2) mehr Liebende von ihm abbringen. Da Erstere für gewöhnlich politisch interessiert sind, wird da nicht viel zu holen sein. Für Zweitere ist die NS-Nähe oft ein Nicht-Argument. Das ist traurig. Wir sollten es dennoch behirnen …
* Im Strache-Buch wird der Journalist Frido Hüttner zitiert, der Haider an den Kriterien der Popkultur misst und in dieselbe Kerbe schlägt:
Tags:Bumsti-Strache, FPÖ, Rechter Rand“Die nachhaltigsten Popkarrieren begannen damit, dass die Exponenten von ihren Fans für etwas anderes geliebt wurden als für das, weswegen ihre Gegner sie ablehnten: Der Erfolg der Rolling Stones lag zweifellos in ihrem rebellischen Gestus, den sie optisch und akustisch zu vermitteln wussten. Die bestürzte Welt der Eltern indes sah bloß fünf Drogenkonsumenten, geeignet, die Verderber ihrer kostbaren Brut zu sein. Strukturell ging es bei Haider ähnlich her: historische Ignoranz, Fremdenfeindlichkeit, verantwortungsloser Umgang mit dem blutigen Erbe des Nationalsozialismus, Kulturbanausentum. Jene Klientel indes, welche die FPÖ von ein paar Prozent Ewiggestrigen fast zur Drittelpartei aufstockte, hätte Haider mit den oben erwähnten Widerlichkeiten wohl nicht begeistert. Die sahen einen Jörg, der sich was traut. Hemmungslos wie keiner vor ihm mischte er konstruktive, wichtige Kritik am System mit haltlosen, aber populären Behauptungen. Wo andere mühselig eine Wende versuchten, war Haider wendig. Er exerzierte unermüdlich und auch mühelos die Rituale des mehrheitsfähigen Zeitgeistes: ein Bungeejump am Höhepunkt dieser Welle. Ein Trend-Parasit. Konsumtechnisch ein Kind der Siebzigerjahre. Beweis dafür, dass alles möglich ist. Ein Wortführer der reuelosen Gesellschaft. Weitgehend angstfrei, weil ihm jede Scham fehlt. Ein „Feschist”. Jörg Haider ist, wie es Popstars zwangsläufig sind, ein Symbol des Unverbindlichen. So einem wird von den Fans alles verziehen.”






Zwei alte und ein neues Beispiel zeigen, dass PolitikerInnen scheinbar kein Verständnis von den Grundlagen des Internets haben. Das hat fatale Folgen.