fussenegger

Getrud Fussenegger ist gestorben. Sie nicht zu kennen ist meines Erachtens keine Bildungslücke – ich hab selbst keinen einzigen ihrer Texte gelesen. (OÖN Nachruf, Presse Nachruf, Wiki-Eintrag, persönliche Portrait-Seite). Warum dann dieser Post?

Fussenegger war (illegale) Nationalsozialistin der ersten Stunde, wurde dafür sogar einmal verhaftet, schrieb Hymnen auf den Anschluss in NSDAP-Organen und stieg zur vielbeachteten Nachwuchs-Nazi-Schriftstellerin auf. Wie ihre persönliche Portraitseite (fussenegger.de (!), von einerMünchner PR-Agentur die mit guten Kontakten zum Vatikan wirbt) betont wurde aber auch einer ihrer Texte von den Nazis verboten. Und zwar weil er zu katholisch war.

Der Punkt ist nicht, dass ich ihr posthum ein Vergehen nach dem Verbotsgesetz unterstellen würde – der Punkt ist vielmehr, dass die in OÖ lebende Fussenegger nach dem Fall des NS-Regimes von reaktionären katholischen Kreisen bejubelt und mit Preisen überhäuft wurde. Immer wieder auch von der OÖVP geführten konservativen Landeskulturpolitik, begonnen mit dem Stifter-Preis 1951 bis hin zu Landeskulturmedaillie 1999. Das Leben und das Wirken Fuseneggers wecken bei mir (wieder) das Gefühl, dass Nationalsozialismus viel mehr mit Konservativismus als mit Sozialismus zu tun hat. Nach dem Nazi-Lob für die Kulturhauptstadt des Führers-Ausstellung, dem jüngsten unfassbaren “Verleser” des Papstes und Fussenegger will ich mich für eine Weile nicht mehr mit dem rechten Rand beschäftigen. Es gibt Wichtigeres.

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