25 Jun 2009
Der Gratis-Webspace kommt! Linz realisiert den “Public Space Server”
Kostenlosen Webspace für die BewohnerInnen der Stadt zur Verfügung stellen – für diese Idee haben ich und viele andere aus dem “Freie Netze. Freies Wissen”-Team jetzt 2 Jahre lang gekämpft. Im Oktober 2007 wurde die Idee auf den Weg gebracht, als der von mir eingebrachte Antrag auf eine Machbarkeitsstudie im Gemeinderat der Stadt Linz beschlossen wurde.
Jetzt ist es soweit: die Studie belegt, dass es geht – und im Juli-Gemeinderat soll er endlich beschlossen werden: Der Public Space Server – kostenloser, virtueller öffentlicher Raum. Zum Speichern von Daten, Fotos, … für Kreativität und Ideenaustausch, für eigene Homepages, Wikis und Blogs….
Die Grundidee: Virtuellen öffentlichen Raum schaffen

Die Stadt Linz soll Webspace kostenlos für LinzerInnen zur Verfügung stellen und damit den „Linz Public Space Server“ schaffen, einen kostenlosen virtuell-öffentlichen Raum. Mit der Anmeldung eines Hauptwohnsitzes in Linz sollte automatisch das Anrecht auf eine bestimmte Menge an Webspace am öffentlichen „Linz Public Space Server“ verbunden sein.
So kann jede Linzerin, jeder Linzer auch in der virtuellen Welt ein Stück öffentlichen Raum nutzen und eigene Homepages, Wikis, Blogs etc. dort platzieren.
Warum soll die Stadt Linz das tun?
- Als öffentliche Hand Verantwortung übernehmen und damit Grundrechte sichern
- Auf bestehendem Wissen in der Stadt aufbauen und durch bestehende Strukturen mit Leben füllen
- Die Menschen „ermächtigen“, damit sie selbst gestalten können
Öffentlicher Raum liegt seit jeher in der Verantwortung der öffentlichen Hand. So folgt aus den Grundrechten auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit nicht nur das Recht der Menschen, öffentliche Räume zur Verbreitung ihrer Botschaften und Anliegen zu nutzen, es ist auch die Pflicht des Staates, genau das allen zu gleichen Bedingungen zu ermöglichen.
Es gibt nun keinen Grund, warum es bei virtuellem öffentlichen Raum anders sein sollte. Dieser ist jedoch bis dato ziemlich rar – und eine echte Chance für Linz hier eine weltweite Vorreiterrolle einzunehmen.
So werden Grundrechte im virtuellen Raum beschränkt:
In „MySpace“, der weltgrößten Social-Network-Community im Eigentum des Medienkonzerns „NewsCorp“, wurden systematisch Profile von (mehr oder weniger) offensichtlich homosexuellen Usern gelöscht [1]. Regelmäßig werden Inhalte oder Blogs von Betreiberfirmen entfernt, wenn nur die Möglichkeit eines Rechtsbruchs besteht[2] – die Entscheidung was noch unter das Recht auf freie Meinungsäußerung fällt, wird also im Internet zunehmend nicht mehr von öffentlichen Gerichten, sondern von anonymen Zensoren in Konzernen getroffen. Besonders drastisch erfolgte das bei einem Konzert-Webcast, aus dem AT&T eine kritische Passage über US-Präsident Bush entfernte[3]
Die VHS könnte Kurse zum Erstellen von Homepages, Wikis und Blogs mit kostenloser, freier Software anbieten, die auf dem Public Space Server sofort online gehen können; das AEC könnte künstlerische Aspekte einbringen und eigene Initiativen starten; ein Public Culture Server könnte Kulturvereinen mit Sitz in Linz zusätzlichen Webspace für deren spezifische Bedürfnisse anbieten; Schulen und Bildungseinrichtungen könnten das kostenlose Angebot nutzen; auf Basis des Public Space Servers könnte ein Projekt „Wissensraum Linz“ den Menschen besseren Zugang zu freien Wissen verschaffen.
Beispiel Volkshochschule:
Bereits heute verfügt die VHS über ein breites Kursangebot zum Thema PC und Internet. Im Falle der Verwirklichung des Webspace-Angebots für alle Linzerinnen und Linzer gilt es aber, dieses Auszubauen und speziell auf die Nutzung dieses Webspace ausgerichtete Kurse einzuführen. In diesen Kursen könnte den TeilnehmerInnen vermittelt werden, wie sie beispielsweise die gleiche Software, auf der die Wikipedia basiert, auch zur Organisation ihres privaten Wissensbestandes einsetzen könnten. Denn nicht nur die Inhalte, auch die Software der Wikipedia, das „Mediawiki“ stehen unter einer freien Lizenz. Auch die Nutzung einfacher und frei Verfügbarer Tools zur Erstellung privater Homepages und Blogs sollte in derartigen Kursen vermittelt werden.
Als SozialdemokratInnen wollen wir Möglichkeiten schaffen. Die Politik muss auf lokaler Ebene einen Beitrag leisten, damit globale Technologien möglichst frei zugänglich sind. Der Zugang zum Internet, wie durch die Linzer Hotspots, ist eine wichtige Grundlage. Als nächster Schritt sollten Möglichkeiten unterstützt werden, wie die Menschen sich selbst einbringen können. „Content“ bedeutet nicht nur Konsum, sondern auch eigenes schaffen. Lawrence Lessig, als Gründer von Creative Commons Pionier und Experte in diesem Thema, beschreibt das als „ermächtigen“ der Menschen. Sie können nicht nur Inhalte abrufen, sondern sich selbst einbringen und mitgestalten. Egal ob (passwortgeschützt) Urlaubsfotos per Web der Verwandtschaft zugänglich gemacht werden sollen, oder künstlerische Videos und Musikstücke einer breiten Öffentlichkeit zum Download angeboten werden – die Möglichkeiten der Nutzung von Webspace sind vielfältig. Diese Potentiale stellen sich aber nicht von selber ein, sondern müssen erschlossen werden.
Die Fortsetzung folgt nächste Woche, sobald er beschlossen worden ist: der ganze Antrag im Wortlaut.