2 Jun 2009

“Virtueller öffentlicher Raum” – Artikel im Magazin Zeilen

Verfasst von: Christian Forsterleitner

Im April ist zum erstenmal das Periodikum “Zeilen” der Linzer  SPÖ-Bildung erschienen.  Als stolzer Mitautor habe ich einen Beitrag zum Thema öffentlicher Raum im Internet, also virtuellem öffentlichen Raum geschrieben. Der gehört natürlich auch auf diesen Blog:

Wir empfinden es als selbstverständlich, dass wir Gehsteige benutzen können, wir bleiben auf öffentlichen Plätzen stehen, setzen uns in eine frei zugängliche Grünanlage. Wir können dort unseren eigenen Interessen nachgehen, uns mit Leuten treffen, kommunizieren. Wer sagt eigentlich, dass das, im virtuellen Raum „Internet“ nicht auch gehen soll? Ein Plädoyer für ein erweitertes Verständnis von „öffentlichem Raum“.

Wer denkt schon darüber nach, wenn man sich in Linz auf eine Parkbank setzt und gemütlich mit jemandem plaudert, dass man gerade öffentliche Infrastruktur nutzt? Damit jeder einzelne Mensch in einer Stadt Freiräume findet und sich frei bewegen kann, muss von der öffentlichen Hand einiges getan werden. Der öffentliche Raum muss gehegt und gepflegt werden, der Gehsteig gereinigt, die Parkbank in Stand gehalten und die öffentliche Sicherheit gewährleistet werden. Weiters muss die öffentliche Hand dafür sorgen, dass der öffentliche Raum von allen benutzt werden kann und nicht von Einzelnen dauerhaft vereinnahmt wird. Im Grunde geht es darum, dass der Staat die maximale Freiheit von Einzelnen garantiert, während er gleichzeitig das Gemeinwohl, also die Interessen aller schützt. Für all diese Arbeiten ist ein komplexes Miteinander von (Bundes-)Staat, Kommune und Unternehmen in öffentlichem Eigentum notwendig.

Seit einigen Jahren gewinnt ein neues Medium im Lebens- und Arbeitsalltag vieler Menschen immer mehr an Bedeutung – es verändert die Kommunikation, die Informationsbeschaffung und das Zusammenleben der Menschen: das Internet. Das Internet bietet eine scheinbar unbegrenzte Vielfalt an Möglichkeiten und kann die Lebensqualität verbessern helfen. Von der Option, Informationen, Bilder, Musik und vieles mehr auszutauschen, über die aktuelle Fahrplanauskunft der öffentlichen Verkehrsmittel, bis zum raschen Finden von Informationen für die bisher stundenlang in Bibliotheken recherchiert werden musste, erleichtert das Internet vielen den Alltag; ebenso ist es aus dem Arbeitsleben heute bereits kaum mehr wegzudenken. Dennoch lauern aber auch Gefahren. So ruft die rasante Zunahme der Möglichkeiten und damit der Bedeutung des Netzes auch die „Raubtiere“ des Kapitalismus auf den Plan und das ganz im Stile der freien Landnahme im einstigen „Wilden Westen“. Damals zogen die Abenteurer in die Prärie los, besetzten „freies“ Land, erklärten es zu ihrem Besitz und zäunten es ein. Heute preschen einzelne Unternehmen vor und nehmen sich im Internet alles das, was noch nicht ein anderes besetzt hat. Und so wie jeder zivilisierte Staat zu verhindern versucht, dass Einzelne wie Cowboys in der Prärie, weitab vom nächsten Sheriffstern agieren, so muss heute das Internet als virtueller öffentlicher Raum unter Schutz gestellt werden.

Die Bedeutung dieser Entwicklung wird immer noch unterschätzt. „Landnahme“ im Internet passiert im Moment weitgehend frei. Das soll grundsätzlich auch weiterhin so sein, damit möglichst viele Menschen von den Vorteilen der modernen Technologien profitieren können. Zwischen den privaten Räumen im Netz sollten sich aber auch öffentliche Plätze finden. Und es soll Regeln dafür geben und nicht das Recht des Stärkeren gelten.

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